Sind Vertreter von Versicherungen in Ihren Beratungen immer objektiv?

Zugegeben – die Überschrift als Frage zu formulieren, ist immer etwas gewagt, macht aber bei dem folgenden Artikel Sinn. Stellen Sie sich einfach mal selbst die Frage dahingehend, ob Sie in einem der letzten Gespräche mit Ihrem Versicherungsvertreter zu 100 % das Gefühl hatten von Ihm wirklich objektiv und somit vollständig an Ihren Bedürfnissen orientiert beraten worden zu sein? Oder ob unterschwellig immer das Gefühl bestand, das Ihr Versicherungsvertreter mehr an der Erzielung einer maximalen Provision interessiert war? Ist dem so? Dann scheibt es Ihnen so wie offensichtlich vielen anderen Menschen zu gehen, denen nun mit einem Plan der Bundesregierung zu diesem Thema der Wunsch nach mehr Objektivität bei der Versicherungsberatung genüge getan werden soll.

Im Kern strebt die Bundesregierung mit Ihrem Vorhaben nach mehr Transparenz in der Versicherungsberatung an, die Versicherungsvertreter dahingehend zu verpflichten, die Höhe Ihrer Provisionen vollständig offenzulegen. Damit soll gewährleistet werden, dass der Kunde eine Art Kontrolle bei der Beratung übernehmen kann. Favorisiert der Versicherungsmensch einen bestimmten Anbieter einer Versicherungspolice, so muss er sogleich auch seine Provision dafür offenlegen. Verlangt man weitere Angebote desgleichen Versicherungstypus unterschiedlicher Versicherungen, so gilt auch hier die Offenlegung der möglichen Provisionen. Stellt man als Verbraucher nun fest, dass die Versicherungsleistungen bei allen Angeboten nahezu identisch ist, der Versicherungsvertreter aber bis dato das Angebot mit der für Ihnen höchsten Provision favorisiert hat, wissen Sie, was Sie davon zu halten haben >> NICHTS!

Insofern ist aus Verbrauchersicht das Vorhaben der Bundesregierung sicherlich höchst begrüßenswert. So wundert es nicht, dass auch die Verbraucherschutzverbände hier höchst erfreut applaudieren. Sie plädieren seit Jahren ohnehin für mehr Transparenz bei den Provisionen der Versicherungsvertreter. Nach Meinung von Lars Gatschke, Versicherungsexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) ist das Verheimlichen von Provisionen nichts anderes als „Protektionismus in Reinkultur“. Versicherungsvertreter sollten zudem nicht nur Neukunden-Provisionen sondern auch weitere Zuwendungen wie Bürozuschüsse und Bestandsprovisionen offenlegen. Auch Axel Kleinlein, Vorstand beim vzbv, bläst in dasselbe Rohr. Mit dem Vorschlag der Bundesregierung könnten Kunden bei einer Offenlegung erkennen, ob es dem Vertreter vorrangig um seine Provision gehe oder nicht. Produktempfehlungen des Versicherungsmitarbeiters könnten so richtig eingeordnet werden.

Ganz anderer Meinung sind natürlich die unterschiedlichen Interessengruppen der Versicherungswirtschaft. In diesem Fall haben sich gleich neun Vertretungen, ein Bündnis, bestehend aus dem Versicherungsverband GDV, der Gewerkschaft Verdi, dem Verband der Privaten Krankenversicherung und Vermittlerverbänden, um gegen die Regierungspläne vorzugehen. Ihrer Meinung nach ist die neue Transparenz irreführend und verhindere eine bedarfsgerechte Beratung in Sachen Versicherungsschutz – Kunden würden bei der Wahl ihres Versicherungsproduktes beeinflusst. Zudem bedrohe die geplante Regelung zahlreiche Arbeitsplätze, so das Bündnis in einer ersten Stellungnahme.

Fazit: Persönlich befürworte ich jedwege Form von Transparenz, da Sie die absolut notwendige Grundlage für Vertrauen darstellt. Wenn ich als Verbraucher einen Versicherungsvertreter als beratende Instanz in Anspruch nehme, dann muss ich erwarten können, dass er bedarfsgerecht berät und nicht an möglichst hoher Provision interessiert ist. Ehrlichkeit, Offenheit und Transparenz in Kombination mit daraus resultierender positiver Beratungserfahrung sorgt doch in Folge für einen zufriedenen Kunden, der dann auch gern weitere Verträge bei seinem Versicherungsvertreter abschliesst und gegebenenfalls auch in seinem Bekanntenkreis sehr gern weiterempfiehlt!

Zu guter Letzt: Im Rahmen der Lebensversicherungsreform soll die neue Regelung innerhalb der kommenden Wochen von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden. Ende Juli soll sie in Kraft treten.

Tipp: Damit man seinem Versicherungsvertreter nicht vollständig uninformiert gegenüber sitzt, sind Online Vergleichsportale in den Bereichen Versicherungen, Finanzen für eine erste Recherche zur benötigten Versicherung hilfreich und somit eine klare Empfehlung!

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